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Mein Einstieg in die Naturfotografie

13.04.2026 • Naturfotografie Tipps und Tricks
Laubfrosch - CoverBild Blog

Mein Einstieg in die Naturfotografie

Wie alles begann – mein Weg zurück ins Leben

2019 hat sich mein Leben schlagartig verändert. Die Diagnose Multiple Sklerose traf mich wie ein Sturm, der alles mitreißt, was vorher selbstverständlich war. Von einem Tag auf den anderen konnte ich kaum noch laufen. Wochenlang war ich ausgebremst, körperlich wie mental, und ich wusste nicht, wie mein Leben künftig aussehen würde.

Doch mitten in dieser Unsicherheit entstand ein Gedanke, der mich nicht losließ: Ich wollte wieder auf die Beine kommen. Wieder laufen. Wieder stark sein. Und ich wollte etwas finden, das mir Halt gibt – etwas, das Sinn stiftet und mich nach draußen bringt.

In der achtwöchigen Reha begann dieser Weg zurück. Schritt für Schritt, Gleichgewichtsübungen, kurze Spaziergänge im Kurgebiet. Und genau dort passierte etwas Unerwartetes: Überall liefen Wildkaninchen herum. Kleine, scheue, neugierige Tiere, die mich sofort faszinierten. Ich beobachtete sie, wie sie spielten, fraßen, verschwanden und wieder auftauchten.

Natürlich zückte ich mein Handy und machte Fotos. Die Ergebnisse waren… na ja, sagen wir: dokumentarisch. Unscharf, verrauscht, irgendwie niedlich, aber weit entfernt von dem, was ich fühlte, wenn ich die Tiere beobachtete.

Und genau da wurde mir klar: Das kann nicht alles sein.

Ich wollte ein Hobby, das mich raus in die Natur zwingt. Etwas, das mich erdet, mich fordert und mir gleichzeitig Freude schenkt. Fotografie hatte mich schon immer interessiert, aber eine „richtige“ Kamera mit Wechselobjektiven hatte ich mir nie gegönnt.

In dieser Reha‑Zeit änderte sich das. Ich beschloss, mir endlich eine Kamera zu kaufen – nicht als Luxus, sondern als Teil meines Weges zurück ins Leben. Als Werkzeug, um wieder aktiv zu werden. Als Begleiter, der mich hinausführt, dorthin, wo ich Kraft finde: in die Natur.

Meine ersten Schritte - Lernen, Scheitern, Wachsen

Meine ersten Schritte in der Naturfotografie waren alles andere als professionell – aber sie waren ehrlich. Ich startete mit der Canon EOS M50, einem kleinen, leichten Einsteigermodell, das mir damals wie ein Tor in eine neue Welt vorkam. Im Kit war das 15–45 mm, und schon kurz darauf kaufte ich mir das Canon EF 50 mm 1.8 samt Adapter. Dazu kam das EOS‑M 55–200 mm – meine erste Telebrennweite überhaupt. Für meinen Einstieg in die Naturfotografie war der Grundstein gelegt.

Doch Ausrüstung allein macht noch keine guten Bilder. Ich musste zu dieser Zeit unglaublich viel lernen. Was ist eigentlich Perspektive? Wie gestaltet man ein Bild? Was macht ein Motiv interessant? Und wie fotografiert man ohne Automatikmodus, wenn plötzlich Blende, Zeit und ISO nicht mehr von selbst zusammenpassen?

Es waren viele Fragezeichen, die am Anfang über meinem Kopf schwebten. Also begann ich, mir Wissen mühsam anzueignen. Stundenlang schaute ich YouTube‑Videos – von Stefan Wiesner, Chris Kaula, Benjamin Jaworskyj oder auch Morten Hilmer. Jeder von ihnen brachte mir ein kleines Puzzleteil näher: Technik, Licht, Verhalten, Geduld.

Aber Theorie ist nur die halbe Wahrheit. Draußen sein, fotografieren, ausprobieren – das war das eigentliche Lernen. 2020 nahm ich mir vor, jeden Tag ein Foto zu machen. Egal was. Eine Blume, eine Landschaft, Enten, Schwäne, alles, was mir vor die Linse kam. Ich fotografierte einfach alles.

Schwanenportrait Bild: Schwanenportrait aus 2020

Luchs Bild Luchs aus dem Nationalpark Bayerischer Wald

Zufrieden war ich selten. Die Bilder waren okay, aber nicht das, was ich mir erträumt hatte. Mir wurde klar: Ich brauchte mehr Brennweite. Also kaufte ich mir das Sigma 150–600 mm – mein erstes richtiges Teleobjektiv.

Und plötzlich öffnete sich eine neue Welt. Im Frühjahr 2020 entdeckte ich eine Spechthöhle direkt am Wegesrand. Ich konnte die Vögel beobachten, wie sie fütterten, klopften, sich zeigten und wieder verschwanden. Und zum ersten Mal gelangen mir Naturfotos, auf die ich wirklich stolz war.

Kleines Wiesenvögelchen Bild: Kleines Wiesenvögelchen (Schmetterling) mit 600mm an APSC fotografiert

Specht an der Bruthöhle Bild: Specht an der Bruthöhle

Diese Momente waren für mich wie ein Durchbruch. Nicht, weil die Bilder perfekt waren, sondern weil ich spürte: Das ist es. Das ist der Weg, den ich gehen will.

Was ich am Anfang völlig unterschätzte

Rückblickend muss ich sagen: Ich hatte keine Ahnung, wie viel man als Naturfotograf gleichzeitig im Blick behalten muss. Am Anfang dachte ich, es gehe darum, ein Tier zu sehen, die Kamera zu heben und abzudrücken. Heute weiß ich: Das ist vielleicht ein Prozent der Wahrheit.

Besonders bei Tierfotos spielt Verhalten eine riesige Rolle. Wann sind die Tiere aktiv? Wo halten sie sich auf? Wie reagieren sie auf Menschen? Manche Arten lassen sich problemlos ohne Tarnung fotografieren, andere verschwinden schon, wenn man nur einen Schritt zu viel macht. Dieses Verständnis musste ich mir erst mühsam erarbeiten.

Ich hatte auch völlig unterschätzt, wie viel Aufwand in einem einzigen guten Foto steckt. Wie oft man loszieht und ohne brauchbares Bild wieder nach Hause kommt. Wie viele Stunden man scheinbar sinnlos im Ansitz sitzt, wartet, friert, schwitzt, zweifelt – und trotzdem nichts mitnimmt außer Erfahrung.

Gleichzeitig lernte ich die Grenzen meiner Ausrüstung kennen. Von wann bis wann kann ich sinnvoll fotografieren? Wann „geht mir das Licht aus“? Wie viel Rauschen ist noch erträglich? Wie weit kann – oder muss – ich die Belichtungszeit verkürzen, um scharfe Fotos zu bekommen?

Turmfalke Bild: Ein Turmfalke im Rüttelflug, selbst 1/1000 Belichtungszeit ist noch Bewegungsunschärfe in den Flügeln. Gewollt zeigt dies potentiell die Dynamik des Flügelschlags, ungewollt ist es einfach Ausschuss

All diese Fragen begleiten mich bis heute. Und sie haben mir gezeigt, dass Naturfotografie nicht einfach ein Hobby ist, das man nebenbei macht. Sie verlangt Geduld, Respekt, Wissen, Beobachtungsgabe und die Bereitschaft, immer wieder zu scheitern.

Naturfotografie kann man nicht einfach machen. Man muss sie leben.

Erste Bilder, die mich mit Stolz erfüllten

Schon im Oktober 2020 merkte ich, dass ich an die Grenzen der EOS M50 stieß. Der Autofokus, die Geschwindigkeit, die Bildqualität bei wenig Licht – all das reichte mir nicht mehr. Also wagte ich den Schritt ins Vollformat und wechselte zur Canon EOS R6.

Rückblickend war das ein echter Gamechanger. Plötzlich waren Aufnahmen möglich, die ich vorher kaum hinbekommen hatte. Vögel im Flug zum Beispiel: Früher reine Glückssache, jetzt deutlich häufiger scharf, sauber und dynamisch. Doch der technische Sprung war nur ein Teil meiner Entwicklung.

Kormoran im Abflug Bild: Ein startender Kormoran an der Ilz

Parallel dazu veränderte sich mein Blick auf die Fotografie. Ich begann, bewusster zu gestalten: Linien, Perspektiven, Lichtstimmungen. Ich experimentierte mit High‑Key‑Aufnahmen, spielte mit Minimalismus, suchte nach Ruhe im Bild. Und je mehr ich draußen war, desto näher kam ich den Tieren – nicht durch Zufall, sondern durch Beobachtung, Geduld und Respekt.

High-Key fliegende Möwe Bild: High-Key-Aufnahme einer fliegenden Möwe

Einige dieser Begegnungen haben sich tief in mir eingeprägt. Eine davon war ein Biber an der Ilz. Er tauchte plötzlich auf, setzte sich ans Ufer und begann sich zu putzen – nur wenige Meter von mir entfernt. Kein hektisches Wegtauchen, kein Stress, nur ein wildes Tier in seinem Element.

Biber an der Ilz Bild: Ein Biber an der Ilz putzt sich

In diesem Moment gelang mir eines meiner ersten Bilder, das mich wirklich stolz machte. Nicht, weil es technisch perfekt war, sondern weil es eine Geschichte erzählte. Eine Begegnung, die ich mir erarbeitet hatte. Ein Augenblick, der mich daran erinnerte, warum ich Naturfotografie liebe: weil sie uns Momente schenkt, die man nicht planen kann, sondern nur erleben.

Wie sich meine Fotografie weiterentwickelt hat

2021 entschied ich mich, der GDT – der Gesellschaft für Naturfotografie e.V. – beizutreten. Ein Schritt, der meine Fotografie nachhaltig geprägt hat. In der Regionalgruppe Bayern fand ich Anschluss an andere leidenschaftliche Naturfotografen, lernte von ihren Erfahrungen und durfte bei Treffen beeindruckende Bildvorträge sehen. Dazu kamen Messen und Ausstellungen wie die Internationalen Naturfototage in Fürstenfeldbruck oder das GDT‑Festival in Lünen – Orte voller Inspiration, Austausch und echter Begeisterung für Naturbilder.

All das weckte meine Kreativität und gab meiner Fotografie neuen Schwung. 2023 fasste ich schließlich den Entschluss, die Vollmitgliedschaft in der GDT anzustreben. Ein anspruchsvolles Ziel – und umso schöner, dass ich es direkt im ersten Anlauf mit meinem eingereichten Portfolio erreichte.

Erdkröte Bild: Eine Erdkröte kreativ Fotografiert. Bestandteil meines GDT Portfolios zur Vollmitgliedschaft.

In dieser Zeit wurde Renate Ettl – Autorin und Naturfotografin – zu einer wichtigen Wegbegleiterin. Ihre Art zu fotografieren, ihr Blick auf Bilder und ihre ehrliche, direkte Kritik haben meinen eigenen Blick verändert. Fotos, die ich früher stolz behalten hätte, sind heute klarer Ausschuss. Von vielen hundert Bildern bleiben am Ende oft nur wenige übrig – aber diese wenigen haben dafür eine Qualität, die ich früher nicht erreicht hätte. Mein Auge wurde geschärft, meine Fähigkeiten verfeinert. Workshops, die ich selbst besuchte, trugen ebenfalls dazu bei.

Flamingos im Gegenlicht Bild: Flamingos im Gegenlicht. Ein Bild aus einem Workshop bei Zeitweise in der Carmague 2025

Doch ich lernte auch eine Seite der Naturfotografie kennen, die mir weniger gefällt. Besonders am Darß zur Hirschbrunft wurde mir das bewusst. Hunderte Fotografen, Objektiv an Objektiv, alle auf der Jagd nach dem „einen“ Foto. Workshops, die noch mehr Menschen anziehen. Ein Gedränge, das eher an einen Zoo erinnert als an ein Naturerlebnis.

Für mich geht dabei etwas verloren. Ich will Natur erleben, nicht konsumieren. Ich will Tierverhalten beobachten, nicht erzwingen. Ich will spüren, was in einem Moment passiert – und nicht einer von vielen sein, der denselben Hirsch aus derselben Perspektive fotografiert, in einem überlaufenen Gebiet, das kaum noch Ruhe kennt.

Hirsch vom Darss Bild: Ein Hirsch am Darss. Den Menschenauflauf habe ich nicht fotografiert

Diese Erkenntnis hat meine Fotografie verändert. Sie hat mich zurückgeführt zu dem, was mir wirklich wichtig ist: echte Naturerlebnisse, respektvolle Begegnungen und Bilder, die aus Geduld, Achtsamkeit und Nähe entstehen – nicht aus Masse und Hektik.

Was ich Einsteigern heute raten würde

Wenn ich Einsteigern heute etwas mitgeben kann, dann vor allem eines: Man muss nicht um jeden Preis ein Foto machen. Kein Bild der Welt ist es wert, ein Tier zu stören oder in seinen Lebensraum einzudringen. Respekt ist die Grundlage jeder Naturfotografie. Bleibt auf Wegen, akzeptiert Absperrungen und begegnet der Natur mit Aufmerksamkeit und Rücksicht.

Moschusochsen Bild: Moschusochsen in Norwegen fotografiert. Respekt ist das A und O beim fotografieren solch imposanter Tiere.

Ich selbst habe Fehler gemacht. Ich bin sicher auch einmal zu weit gegangen, weil ich ein bestimmtes Bild unbedingt wollte. Heute weiß ich: Es lohnt sich nicht. Die Natur bietet immer wieder Gelegenheiten – ganz ohne Risiko für die Tiere. Man muss nur geduldig sein und bereit, auch ohne Foto nach Hause zu gehen.

Rein fotografisch würde ich jedem raten, sich an erfahrenen Fotografen zu orientieren. Wenn ihr die Möglichkeit habt, geht mit ihnen raus. Beobachtet, wie sie arbeiten, wie sie sich bewegen, wie sie Situationen lesen. Und vor allem: Schaut euch Bilder nicht nur an – analysiert sie.

Was spricht dich an einem Foto an? Ist es die Schärfe? Die Perspektive? Das Licht? Die Komposition? Oder das Zusammenspiel aus allem?

Laubfrosch im Röhricht Laubfrosch im Röhricht. Eines meiner absoluten Lieblingsbilder eines Laubfrosches.

Erst wenn du verstehst, warum dich ein Bild berührt, kannst du dieses Wissen auf deine eigene Fotografie übertragen. So entstehen gute Bilder – und mit etwas Glück, Geduld und dem richtigen Moment auch herausragende Aufnahmen. Ganz ohne KI, ohne übertriebene Bildbearbeitung, ohne künstliche Effekte.

Bildbearbeitung gehört zweifellos zur Fotografie. Aber wenn das Ausgangsmaterial stimmt, ist die Bearbeitung nur noch Feinschliff. Die eigentliche Magie passiert draußen – im Licht, im Verhalten der Tiere, im Moment, den man erlebt und festhält.

Warum Naturfotografie für mich mehr ist als ein Hobby

Für mich ist Naturfotografie längst mehr als ein Hobby. Sie ist Passion, Leidenschaft und ein fester Bestandteil meines Lebens. Wenn ich draußen bin, vergesse ich die Sorgen des Alltags. Die Konzentration auf den richtigen Moment, das Beobachten, das Warten – all das fordert mich, aber es erfüllt mich auch. Geduld und Achtsamkeit bringen mich runter, lassen die Seele atmen und geben mir eine Ruhe, die ich anders kaum finde.

Gleichzeitig ist Naturfotografie für mich ein Werkzeug. Sie zeigt Missstände, macht sichtbar, was sonst verborgen bleibt, und dokumentiert die Auswirkungen unseres Handelns auf die Tierwelt. Das ist mir wichtig. Zu viel bedroht unsere Natur: Kriege, Klimawandel, Umweltverschmutzung. Umso bedeutender ist es, die Welt so festzuhalten, wie sie ist – und damit ein Bewusstsein zu schaffen für das, was wir verlieren könnten.

Naturfotografie ist für mich Kraftquelle und Stressabbau. Aber sie ist auch Verantwortung. Sie gibt mir die Möglichkeit, zu schützen und zu bewahren. Jede Begegnung, jedes Bild, jeder Moment erinnert mich daran, wie wertvoll unsere Natur ist – und wie sehr sie uns braucht.

Feuersalamander Bild: Feuersalamander im Wald

Fazit und Ausblick - Warum ich meinen Weg weitergehe

Es war schön, meinen bisherigen Weg in diesem Artikel zu reflektieren. Sich zu erinnern, warum man eigentlich Naturfotograf geworden ist, tut gut. Für mich ist klar: Ich bin Naturfotograf aus Leidenschaft. Die Natur liegt mir am Herzen, und ich möchte meine Erfahrungen und mein Wissen mit anderen teilen.

In meinen Fotos steckt viel Arbeit, Zeit, Emotion und Fleiß. Und genau deshalb möchte ich künftig mehr Menschen daran teilhaben lassen. Zum einen, indem ich mein Wissen in Workshops weitergebe – praxisnah, ehrlich und mit dem Anspruch, Naturfotografie so zu vermitteln, wie ich sie selbst lebe.

Seeadler Bild: Ein junger Seeadler fliegt in die Zukunft

Aber ich möchte auch mit Ausstellungen und Vorträgen Menschen erreichen, inspirieren und ihnen zeigen, wie wertvoll unsere Natur ist. Mit dem Verein FokusWildnis e.V. möchte ich zudem Naturfotografie und Naturschutz enger miteinander verbinden. Für mich gehört das zusammen: Bilder, die berühren, und ein Bewusstsein für das, was wir schützen müssen.

Ich freue mich darauf, euch zu begegnen – sei es bei einem Workshop, in einer Nachricht auf Instagram, bei einem Treffen von FokusWildnis e.V. oder in einer E‑Mail. Jede Begegnung, jeder Austausch und jedes gemeinsame Erlebnis macht diesen Weg noch wertvoller.

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